Ehrenmitglieder

Die Gründung der Arbeitsgemeinschaft wäre ohne die bahnbrechenden Vorarbeiten der Pioniere der Endoskopie nicht möglich. Die AGE ehrt daher die Endoskopiker der ersten Stunde mit der Ehrenmitgliedschaft.

Prof. Dr. H. Frangenheim

Hans Frangenheim wurde als zweiter Sohn des Ordinarius für Chirurgie an der Universität Köln, Paul Frangenheim und seiner Frau Margarete, geb. Steinmetz, am 18.01.1920 geboren.

Seine Schulausbildung erhielt er in Köln und von 1930-1938 in einem Schweizer Internat. Nach Arbeits- und Wehrdienst bei der Luftwaffe studierte er von 1942-1945 als Soldat Medizin an den Universitäten Münster, Bonn und Köln. Er kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft, wo er als Assistent in einem Kriegsgefangenenlazarett arbeitete.

Von 1946-1950 war er als Assistent an der Chirurgischen Universitätsklinik Köln und am Pathologischen Institut der Universität Bonn tätig. Seine gynäkologisch- geburtshilfliche Ausbildung begann er 1950 an der Landesfrauenklinik in Wuppertal unter K. J. Anselmino. Dort wurde er 1954 Oberarzt. Von 1966 bis 1985 war er Chefarzt an der Städtischen Frauenklinik in Konstanz. Als "Externer" habilitierte er sich 1977 an der Universität Freiburg und wurde dort 1983 zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

Zur Laparoskopie kam Frangenheim, als er 1951 als chirurgischer Ausbildungsassistent der Kölner Chirurgischen Universitätsklinik durch einen befreundeten Internisten bei einer Leberspiegelung zur Differentialdiagnostik eines Unterbauchtumors gerufen wurde. Er beobachtete bei den internistischen Konsultationen, daß einer der Pioniere der Inneren Medizin, Prof. Kalk, der damalige Leberexperte, laparoskopierte. Es verging einige Zeit bis die internistischen Geräte für die Gynäkologie modifiziert waren.

Im Jahre 1952 begann Frangenheim regelmäßig zu laparoskopieren. Er modifizierte das internistische Laparoskop für den Gebrauch der Gynäkologie und entwickelte mit der Fa. Dräger den ersten CO2 - Insufflator. Bei seinem Vorbild und Freund, dem in der Sterilitätsdiagnostik und -therapie führenden Palmer in Paris, hospitierte er 1955.

Sein Buch "Die Laparoskopie und Culdoskopie in der Gynäkologie" erschien1959 und wurde ins Englische, Spanische und Japanische übersetzt. Weitere Auflagen erschienen 1966 und 1977.

Die von Palmer und Frangenheim eingeführte laparoskopische Tubensterilisation durch Koagulation stieß anfänglich auf große Skepsis und auf Widerstand, da in vielen Kliniken noch die Douglasskopie oder auch die Kulduskopie durchgeführt wurden. Erschwerend kam hinzu, daß sich an 2 Universitätskliniken Todesfälle bei einer Laparoskopie ereignet hatten. Eine Verbesserung der Situation ergab sich erst, als Geräte der Kaltlicht-Endoskopie eingeführt wurden.

Die gegründeten Endoskopiegesellschaften führten zu einer schnelleren Verbreitung der Methode. Im Gründungskongress der amerikanischen Gesellschaft für gynäkologische Laparoskopie (AAGL) 1973 wurden Frangenheim, Palmer und Steptoe zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Professor Frangenheim entwickelte viele Instrumente und Geräte für die Laparoskopie. Sein Publikationsverzeichnis ist mit 180 Einzelveröffentlichungen, z.T. über Pathologie, Geburtshilfe und Gynäkologie, hauptsächlich aber über die Laparoskopie umfangreich. Zusätzlich hatte er hervorragende endoskopische Filme hergestellt. Bemerkenswert ist, daß Prof. Frangenheim sich seine Erfahrungen mit der laparoskopischen Technik erarbeitete, während er gleichzeitig Oberarzt und später Chefarzt einer großen Klinik war, mit all ihren Belastungen durch die tägliche Routine in der Geburtshilfe und Gynäkologie.

Professor Dr. med. Hans Frangenheim verstarb im 82. Lebensjahr am 22. September 2001.

Mitgliedschaft / Gründer

1965 British Fertility Society
1971 American Association of Gynecological Laparoscopy
1975 Italienische Gesellschaft für Laparoskopie
1976 Englische Gesellschaft für Laparoskopie
1978 Fellow of Royale College ad eundem
1978 Spanische Gesellschaft für Fertilität und Sterilität
1979 Sociedad Espanola p. Laparoscopia Gynecologica
1980 Italienische Gesellschaft für Laparoskopie in der Gynäkologie
1980 Berliner Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
1980 Präsident der Französischen Gesellschaft "SMIER" Societe Medicale Internationale d Endoscopie et de Radiocinema
1980 Stellvertretender Vorsitzender der Sectio Endoskopie in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
1982 Indische Gesellschaft für Endoskopie
1982 Asiatische Gesellschaft für freiwillige Sterilisation
1984 Indische Gesellschaft für Sterilität und Fertilität
Gründung Deutsche Gesellschaft für gynäkologische Laparoskopie
(Unterabteilung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe)
1995 Deutsche Gesellschaft für Endoskopie und bildgebende Verfahren
1998 Niederrheinisch- Westfälische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

 

Auszeichnungen

1967 Schindlerpreis für beste endoskopische Fotografie
1979 Verleihung des SHIRODKAR MEMORIAL AWARD in Bombay
1982 Bundesverdienstkreuz I. Klasse für ständige Fortbildung ausländischer Kollegen auf Antrag des Deutschen akademischen Austauschdienstes
1982 Croce al merito in Italien, für kontinuierliche Fortbildung italienischer Kollegen
1984 Zusammen mit John Marlow Verleihung des EMY- AWARD für den Film über den Beginn des Lebens

 

Prof. Dr. H. - J. Lindemann

​Hans-Joachim Lindemann, geboren und aufgewachsen in Berlin, machte 1939 dort sein Abitur und begann mit dem Studium der Medizin an der Humboldt- Universität und setzte es in Greifswald und Rostock fort. Er beendete 1945 das Studium mit dem Staatsexamen und der Promotion.

Von 1952 bis 1962 war H.-J. Lindemann Chefarzt der Geburtshilflich-Gynäkologischen Abteilung des Diakonissen- Krankenhauses Anschar in Hamburg. Von 1962- 1965 war ärztlicher Direktor des Belegkrankenhauses Michaelis sowie 1965-1985 Chefarzt und ärztlicher Direktor des Elisabeth- Deutsches Rotes Kreuz- und Freimaurer-Krankenhauses in Hamburg. Seit 1985 ist Professor Lindemann Ärztlicher Direktor des Michaelis- Krankenhauses in Hamburg.

Das besondere Interesse für die weibliche Sterilität und Infertilität begann bei Prof. Lindemann 1969 auf dem Fertilitäts- Kongress in Dubrovnik, ausgelöst durch eine Diskussion über Möglichkeiten der endoskopischen Untersuchung des Cavum uteri.

Die Anfänge der endoskopischen Untersuchung der Gebärmutter gehen auf eine Empfehlung des Frankfurter Arztes Philipp Bozzini im Jahre 1805 zurück. Im Jahre 1869 führte dann D. C. Pantaleoni im London die erste Hysteroskopie durch.

An der Stoeckel- Klinik in Berlin berichtete Professor Dr. Dr. F. von Mikulicz-Radecki über erste Erfahrungen mit der Hysteroskopie.

Professor Lindemann führte die ersten Hysteroskopien zuerst an exstirpierten Uteri und später bei sterilen Patientinnen und solchen mit unklaren Blutungen durch. Als Distensions-Medium verwendete er physiologische Kochsalz und Glukoselösungen. Auf Grund der schlechten Darstellungsbedingungen und die guten Erfahrungen der Laparoskopie nutzend, insufflierte er bald CO2 - Gas. Zahlreiche experimentelle und klinische Untersuchungen waren nötig, um eine komplikationslose Dilatation des Cavums zu erreichen.

Diese klinisch- experimentelle Studie führte Lindemann neben seiner praktischen klinischen Tätigkeit als Chefarzt und ärztlicher Direktor aus.

Mit den gewonnen Ergebnissen konnte er sich 1975 an der Universität Hamburg habilitieren und wurde 1980 zum Professor ernannt.

Er war 1980 Gründungsmitglied der Sektion "Gynäkologische und Geburtshilfliche Endoskopie" in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, der AGE. Zur gleichen Zeit wurde Professor Lindemann 1. Vorsitzender und verwaltete zusammen mit Professor Hans Frangenheim (2. Vorsitzender) und Professor Kurt Semm (Generalsekretär) die Gesellschaft bis 1988. Sein Amt übernahm dann Professor Friedhelm Lübke, der es bis 1994 bekleidete.

Professor Lindemann ist seit Oktober 1992 Ehrenmitglied der AGE.

Professor Lindemann ist außerdem Ehrenmitglied in folgenden Gesellschaften:

  • Polnische gynäkologische Gesellschaft
  • Tschecho-Slowakische geburtshilflich - gynäkologische Gesellschaft
  • Slowakische Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie
  • Sección de Endoscopia Ginecológica de la Asociación Ginecológica Espanola
  • Indian Association of Gynecologic Endoscopists.

Seit 1982 ist Professor H.-J. Lindemann Honorary Member der American Association of Gynecologic Laparoscopists. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der 1982 gegründeten European Society of Hysteroscopy, deren Präsident er bis 1986 war und dann zum Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit ernannt wurde. Anlässlich der 119. Tagung der Norddeutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe vom 13.-15. Juni 2003 in Kiel wurde Professor Lindemann zum Ehrenmitglied ernannt.

H.-J. Lindemann (Text und Foto)

Prof. Dr. F. Lübke

Friedhelm Lübke kam am 6. April 1927 in Berlin als Sohn des HNO-Arztes Dr. med. Friedrich Wilhelm Lübke und seiner Ehefrau Friedel, geborene Pfeiffer, zur Welt.

Nach der Volksschule besuchte er 1937 zunächst das Paulsen Realgymnasium in Steglitz, wo auch ich Schüler war. Er wechselte 1938 zur Treitschke Oberschule und später zur Friedrich Ebert Schule in Wilmersdorf und bestand hier im März 1947 sein Abitur. Dieser Wechsel war durch die Kriegsereignisse bedingt.

Sein Wunsch Arzt zu werden, wurde schon im Elternhaus, durch den von im sehr verehrten und viel zu früh verstorbenen Vater geprägt. So arbeitete er bereits einen Monat nach Schulabschluß als Krankenpflegerpraktikant im Martin-Luther-Krankenhaus.

Das Studium der Humanmedizin begann er im Sommersemester 1949 an der Freien Universität Berlin. 1950 bestand er das Vorphysikum, 1951 das Physikum und im August 1954 das Staatsexamen. 1955 promovierte er mit der Dissertationsschrift "Über die Bedeutung und das Vorkommen von Eisenmangelzuständen in der Schwangerschaft unter besonderer Berücksichtigung der lavierten Sideropenie". Sein Doktorvater war Professor Dr. Finkbeiner. In den folgenden 2 Jahren erwarb er Kenntnisse in der Gerichtsmedizin und Pädiatrie. Von Januar 1957 bis Dezember 1961 erhielt er seine Facharztausbildung in der Frauenklinik der Freien Universität Berlin unter Professor Dr. Dr. von Mikulicz-Radecki und bekam am 21. Dezember 1961 die Anerkennung als Facharzt. Die Venia legendi erhielt er am 12. Dezember 1968 für das Fach Geburtshilfe und Gynäkologie mit seiner Habilitationsschrift "Über den Wert der Zyklusbeobachtung als diagnostische Methode bei der sterilen Patientin".

Die Behandlung steriler Ehepaare war seitdem sein besonderes Anliegen. So hat er noch nach seiner Pensionierung in freier Praxis viele Kinderwunschpatienten, und man darf wohl sagen, mit Erfolg betreut. Zu seinen besonderen Verdiensten zählt, daß er einer der Ersten war, der die reproduktive Andrologie in unserem Fach wieder heimisch gemacht hat. 1970 war er Assistenzarzt, und nach der Emeritierung von F. von Mikulicz-Radecki, Oberarzt und Stellvertreter des nachfolgenden Direktors, Professor Lax, in der selben Klinik.

Seine große Zeit begann November 1972 am Augusta Viktoria Krankenhaus in Berlin Friedenau, wo er als Chefarzt der geburtshilflich - gynäkologischen Abteilung bis zum Dezember 1991 wirkte. Lübke war ein exzellenter Operateur, besonders liebte er die Vaginalchirurgie. Viele wissenschaftliche klinische Studien hat er zusammen mit seinen Kollegen in der Klinik erarbeitet und die Resultate auf Kongressen und Fachgesellschaften vorgestellt.

Für die Auszubildenden war er ein hervorragender Lehrer und Vorbild. Seine Schüler, Assistenz- und Oberärzte und ebenso die Schwestern verehrten ihn, trotz seines manchmal brummigen Wesens.

Professor Lübke hat 72 Veröffentlichungen, 145 Vorträge und 2 wissenschaftliche Filme erarbeitet. Er war einer der Ersten, der sich in der endoskopischen Gynäkologie engagierte, nachdem er 1959 bei Frangenheim die gynäkologische Laparoskopie erlernt hatte. Durch ihn wurde diese Methode erstmals an einer deutschen Universitätsfrauenklinik, und somit auch in Berlin, eingeführt. Seit 1972 war er ein mir zugetaner Pionier für die Hysteroskopie. Er hat selbst 20.000 Laparoskopien und 8.000 Hysteroskopien durchgeführt. Seine Erfahrungen wurden im In- und Ausland sehr geschätzt.

Als mein Nachfolger war Friedhelm Lübke von 1988 bis 1994 Präsident der Deutschen Endoskopischen Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie und der Arbeitsgemeinschaft Endoskopie in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Unter seinem Vorsitz haben in Berlin viele richtungsweisende Kongresse stattgefunden. Vor allem hat er es verstanden, PRO- und KONTRA- Veranstaltungen über die Wertigkeit des endoskopischen Operierens mit namhaften Debattanden und lebhaften wie kritischen Diskussionen zu arrangieren.

Professor Lübke hat sich um die gynäkologische Endoskopie verdient gemacht, und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische und Geburtshilfliche Endoskopie e.V. hat ihm dafür 1995 die Ehrenmitgliedschaft verliehen. In 13 weiteren wissenschaftlichen Gesellschaften und Berufsverbänden war er Mitglied.

Friedhelm Lübke war nicht nur ein außergewöhnlicher Arzt, der in seinem Beruf aufging, sondern hatte auch viel Interesse, besonders für Deutsche Geschichte, klassische Musik und kulturelle Reisen, wann immer seine Freizeit es ihm erlaubte.
Besonders hat er mich beeindruckt durch seine Ehrlichkeit, kritische Beratung zu wissenschaftlichen Problemen, Hilfsbereitschaft und Treue.

Professor Dr. med. Friedhelm Lübke starb am 13. November 1994 in Berlin.

Ich denke alle, die Professor Lübke als Kollegen, als Schüler und als Freund kannten, werden ihm gern ein bleibendes Andenken bewahren.

H.-J. Lindemann (Text)
Marion Lübke (Foto)

Prof. Dr. Dr. h.c. K. Semm

Der am 23. März 1927 geborene Kurt Karl Stephan Semm studierte nach seiner Lehre als Werkzeugmacher in seiner Heimatstadt München Medizin und legte 1950 das Staatsexamen ab. Am 1. Oktober 1953 erhielt er seine erste Assistentenstelle an der II. Universitäts-Frauenklinik München. Unter dem Dekanat von Adolph Butenandt habilitierte er sich 1958 mit dem Thema "Das Wehenproblem mit besonderer Berücksichtigung des Oxytocin-Oxytocinase- Haushaltes". Im Jahre 1959 wurde Semm zweiter Oberarzt an der Frauenklinik Lindwurmstrasse.

Durch Gründung der Deutschen Gesellschaft zum Studium der Fertilität und Sterilität mit R. Fikentscher 1957 war Semm als ständiger Sekretär der Gesellschaft mit der Thematik verbunden und entwickelte Dank seiner handwerklichen und physikalischen Vorbildung zahlreiche Instrumente und Apparate, vornehmlich auf dem Reproduktionssektor.

1961 führte Semm die Laparoskopie in der Münchner Frauenklinik ein. In Verbindung mit der Einführung des Kaltlichtes begann 1966 die Akzeptanz und Verbreitung der Methode. 

Als Nachfolger von H. Huber wurde Semm am 1. Oktober 1970 auf den Lehrstuhl der Frauenklinik Kiel berufen, wo er den Einsatz der operativen Pelviskopie intensivierte. In zahlreichen Kursen mit praktischen Übungen und hervorragenden Filmen vermittelte er seine Erfahrungen im In- und Ausland. Die Überführung der endoskopischen Methoden in das Gebiet der Veterinärmedizin brachte ihm 1980 die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Hannover. Er wurde 1986 Mitglied der Leopoldina und 1992 Fellow of the International College of Surgeons ad honorem (FICS, h.c.; Chicago). In den 80er Jahren hielt Semm zahlreiche Kurse in den USA ab. Die erste endoskopische Appendektomie führte er 1980 in Kiel durch.
Ausdruck seiner Wertschätzung waren zahlreiche Ehrenmitgliedschaften, zuletzt in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, die er 1996 in Dresden erhielt. Professor Semm starb am 16. Juli 2003 in Tucson / Arizona.

Th. Schollmeyer (Text)
Schliemann & Stapelberg (Foto)