In den 60er Jahren dieses Jahrhunderts begannen speziell Frauenärzte mit den ersten kleineren operativen Eingriffe. 

Roul Palmer führte bereits 1944 die Bauchspiegelung in Trendelenburg-Lagerung durch.

Dadurch wurde der Darm aus dem weibliche Becken verlagert und war somit während der Operation besser zu beurteilen. Außerdem forderte er eine kontinuierliche Gasinsufflation, die automatisch gesteuert ist. Die erste Sterilisation per Bauchspiegelung wurde ebenfalls von Roul Palmer in Paris vorgenommen.

Als Ursprung der modernen endoskopischen Chirurgie gilt die Universitäts-Frauenklinik Kiel unter Professor Kurt Semm.

Semm, der seine Instrumente als gelernter Instrumentenmacher selbst herstellte, baute 1963 einen automatischen CO2-Insufflator, führte 1973 die Thermokoagulation ein und setzte erstmals die Röderschlinge zum stillen arterieller Blutungen ein. Er entwickelte eine Saug-Spül-Einrichtung speziell für die Bauchspiegelung und einen elektronisch gesteuerten Insufflator. Die von Kurt Semm entwickelten Methoden der Blutstillung (Endonaht mit intra- und extrakorporalem Knoten) und seine Palette an Instrumenten erlaubten immer schwierigere Eingriffe. Viele führende Mediziner, sowohl Gynäkologen als auch Chirurgen, kritisierten Semm für seinen vehementen Einsatz für die sogenannte "Schlüsselloch-Chirurgie". Sie waren der Meinung, da durch die modernen Methoden der Narkoseführung größere Operationen per Bauchschnitt nunmehr kein Problem mehr darstellten und Semm das Problem mit den nachfolgenden Verwachsungen übertreibe. Einige begegneten den Berichten über das neue Spektrum der Operationen (Entfernung der Eierstöcke bzw. der kompletten Uterusanhänge, Behandlung der Eileiterschwangerschaft) mit Unglauben und schlussfolgerten, da Semm seine Operationen als Bauchspiegelung begänne und dann konventionell als Operation mit Bauchschnitt beende.

Den heftigsten Anfeindungen der deutschen Gynäkologen (und der endoskopischen Chirurgen) sah sich Semm aber ausgesetzt, als er die erste laparoskopische Appendektomie 1983 durchführte. Speziell die Chirurgen sahen keine Notwendigkeit, eine etablierte Operationsmethode zu verlassen und durch eine technisch schwierigere zu ersetzen. Die ersten Versuche von Semm, seine Methode zu publizieren, traf daher auf Ablehnung. Der Umstand, daß ein Gynäkologe den Chirurgen zeigen wollte, wie eine Operation durchgeführt werden soll, war zu diesem Zeitpunkt schlicht undenkbar. Semm hatte eine Grenze übertrete, die bis dahin als unpassierbar galt. Er wusste aber auch, da die endoskopische Chirurgie ein gewaltiges Potential nicht nur in der Gynäkologie, sondern speziell in der Chirurgie beinhaltet. Er setzte daher seine Bemühungen in der Laparoskopie unbeirrt mit dem Ziel fort, das Operationstrauma für die Patientinnen zu vermindern. Zwei deutsche Chirurgen, GÖTZ und PIER, folgten Semms Intentionen und stellten die laparoskopische Appendektomie auf eine breitere Basis. Schon in den frühen 90er Jahre hatten sie hunderte Appendektomien auf diesem Wege durchgeführt und perfektionierten diese Technik, die sie nun auch bei der akuten Blinddarmentzündung einsetzten.

Im September 1985 entfernte der Böblinger Chirurg Erich Mühe (geb. 1938) unter Einsatz der Instrumente von Semm, erstmals auf der Welt die Gallenblase per Bauchspiegelung. Im März 1987 berichtete Mühe bereits über 97 erfolgreiche Operationen auf diesem Wege.

 

Die Videopräsentation Semms laparoskopischer Appendektomie im April 1988 auf dem Gynäkologen-Kongress in Baltimore, ermutigte McKernan und Saye die erste laparoskopische Gallenblasenentfernung in der USA durchzuführen.

In den 70er und 80er Jahren wurde die Notwendigkeit der endoskopischen Operationen von den meisten Chirurgen einfach ignoriert. Ursache war teilweise auch die Einführung neuer Medikamente, die beeindruckenden.​

Ergebnisse der Intensivmedizin und neuen Möglichkeiten in der Anästhesie, die ausgedehntere Operationen ermöglichten. Der Grundgedanke, daß große Probleme (Erkrankungen) auch große Lösungen (Bauchschnitt) erfordern, war so tief im chirurgischen Denken verwurzelt, daß für die "Schlüssellochchirurgie" kein Platz war. Die Chirurgie waren daher nicht in der Lage, gynäkologische Instrumente zu übernehmen und zu modifizieren.

Entgegen der allgemeinen Entwicklung nahmen einige Chirurgen die Herausforderung an und beschleunigten die Einführung laparoskopischer Techniken in die Chirurgie. Besonders aktiv war dabei eine Gruppe deutscher Chirurgen, die im Dezember 1976 in Hamburg die CAES gründete. Ihr folgte 5 Jahre später die Gründung der Society of American Gastrointestinal Endoscopic Surgeons (SAGES) in den USA. Beide Organisationen legten in den folgenden Jahren den Grundstein für die Einführung der Endoskopie in die Praxis.

​Angeregt von dem Mannheimer Chirurgen Bernd Manegold, einem der Gründer der CAES, wurde unter der Regie führender Endoskopiker 1987 die erste Ausgabe der Fachzeitschrift "Surgical Endoscopy" publiziert. Schon im darauffolgenden Jahr 1988 wurde mit großem Erfolg und unter Mitwirkung von 500 Experten aus der ganzen Welt der Erste Weltkongress für chirurgische Endoskopie in Berlin abgehalten. Dies war letztendlich der Durchbruch der Endoskopie in der Chirurgie.

Der britische Urologe John E. A. Wickham (geb. 1927) benutzte 1983 als Erster den Begriff der "Minimal Invasiven Chirurgie". Bei der Veröffentlichung im berühmten British Journal of Urology 1987, erregte er Aufmerksamkeit, als er seine Visionen der ausgedehnten endoskopischen Behandlungen erläuterte. Trotz starker Kritik, der er ausgesetzt war, spiegelt dies doch den allgemeinen Trend der 80er Jahre wieder, als die Verbreitung minimal invasiver Techniken eine große Faszination auf Ärzte und ihre Patienten ausübte.

Diese Entwicklung wurde von entscheidenden technischen Neuerungen weiter beschleunigt. Die Einführung der neuer Lichtquellen (Palmer, 1953), die Hopkins-Optik (1960) und die Kaltlichtquelle in den 60er Jahren verbesserten bereits entscheidend die Beleuchtungsverhältnisse beim endoskopischen Operieren. Neuere Möglichkeiten, wie die Videotechnik waren ebenso maßgebend. Die neuen Videokameras waren leichter zu handhaben und viel kleiner und die Videokassette einfacher in der täglichen Benutzung, als die Vorläufer mit 8 bzw. 16 mm Filme. In den 80er Jahren benutzten immer mehr Operateure Videokameras, aber selbst die neuesten und kleinsten Kameras zeigten sich in Verbindung mit einem Endoskop unhandlich, indem sie seine Balance veränderten und so ein präzises Arbeiten erschwerten. Den Durchbruch brachten elektronische Minikameras, deren Herzstück, ein 4mm großer optoelektronischer Wandler (CCD), die Bilder aus dem Inneren des Körpers in elektronische Impulse umwandelte und auf einen Monitor bertrug. Die Kombination von Optiktrokar und Videokamera eröffnete den Operateuren neue Möglichkeiten, da sie nun beide Hände zum operieren frei hatten und dem Geschehen gemeinsam mit dem gesamten Team am Monitor folgen konnten.

Die folgenden Jahre waren geprägt von einem regen Austausch und gegenseitiger Befruchtung. Die "videolaparoskopische" Gallenblasenentfernung 1987 in Lyon durch Phillipe Mouret (geb. 1937) und seine Präsentation auf dem SAGES-Meeting in Louisville lösten nun auch in Frankreich einen regelrechten Boom aus und ermutigte Chirurgen in der ganzen Welt, diesen Weg weiter zu beschreiten.

 

Als im April 1988 SEMM seine laparoskopische Appendektomie in Baltimore präsentierte, wurde dies von J. B. McKernan und W. B. Saye aufgenommen und schon im Juni 1988 berichteten sie über die erste laparoskopische Gallenblasenentfernung in den USA, wobei sie die Instrumente von Semm einsetzten und mit der Lasertechnologie verbanden. Viele später führende Endoskopiker besuchten daraufhin die beiden Protagonisten in Nashville, um diese neue Technik zu erlernen.

 

Zur gleiche Zeit bestätigte Sung-Tao Ko aus Chicago die laparoskopische Appendektomie von Semm und brachte dessen Instrumente nach Amerika.

Die Mitteilungen über diese sensationellen Methoden erreichten auch die Medien in den USA, diese zeigten die neuen Methoden anhand einer Gallenblasenoperation in einer abendlichen TV-Talkshow. Anschließend erreichten die Nashviller Chirurgen hunderte Anrufe, sowohl von Patienten als auch von Ärzten.

Heute sind endoskopische Verfahren aus keinem operativen Fach wegzudenken. Viele Operationen, die vor wenigen Jahren als Hirngespinste abgetan wurden, stellen heute in den Händen geübter Operateure im besten Sinne Routine-Eingriffe dar. Die weitere Entwicklung der Endoskopie ist zur Zeit geprägt von der Verknüpfung mit den modernen Möglichkeiten. Es entstehen völlig neue Felder, wie Roboterchirurgie, Telechirugie und völlig vernetzte OP-Einheiten. Das Ende dieser Entwicklung ist derzeit nicht abzusehen.

Quellen:

  • H.J. und M.A. Reuter unter Mitarbeit von D. Loenicker
    Phillip Bozzini und die Endoskopie des 19. JH. in 2 Bänden
    Band I: Mit 58 Abbildungen und Nachdruck: „Lichtleiter von Dr. Bozzini" C.W. Hufeland-Journal, 1806
    Band II: Der Lichtleiter von Dr. Philipp Bozzini", Weimar 1807
  • Grzegorz S. Litynski
    Highlights in the History of Laparoscopy
    Bernert Verlag, Frankfurt/Main 1996. Alle Rechte vorbehalten
  • Schollmeyer, M. und Schollmeyer, Th.
    Georg Kelling und die sächsischen Wurzeln der Laparoskopie - 100 Jahre Laparoskopie (1901-2001)
    Druckerei Wagner, Verlag und Werbung GmbH, 09634 Siebenlehn

Autoren:

  • Dr. med. Th. Schollmeyer, Universitätsfrauenklinik Kiel
  • Dr. med. Manfred Schollmeyer, Collm Klinik Oschatz