Ein Erfahrungsbericht aus Australien
Internationale Einblicke, neue Perspektiven – gefördert durch die AGE
Dr. Claire Decrinis hatte zu Beginn des Jahres die Möglichkeit, ein zweiwöchiges Observership in Melbourne zu absolvieren. Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Stipendiatin für diesen Einblick – und wir freuen uns, mit dem Liselotte-Mettler-Reisestipendium solche Erfahrungen möglich zu machen. Die Förderung junger Kolleginnen und Kollegen und der Blick über Ländergrenzen hinweg sind ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit.
Ihren ausführlichen Erfahrungsbericht lesen Sie hier:
Erfahrungsbericht – Liselotte-Mettler-Reisestipendium
Dank des Liselotte-Mettler-Reisestipendiums der AGE hatte ich die besondere Gelegenheit, Ende Januar 2026 ein Observership in Melbourne zu absolvieren, um Einblicke in die laparoskopische Chirurgie und Ausbildung in Australien zu gewinnen.
Eine Woche verbrachte ich im öffentlichen Mercy Hospital for Women im Endosurgery B Department bei Prof. Emma Readman. Die zweite Woche führte mich in die Praxisgemeinschaft Create Health zu Dr. Haider Najjar, der in mehreren privaten und öffentlichen Krankenhäusern in Melbourne operiert.
Unterschiede im Gesundheitssystem und in der Facharztausbildung
Das australische Gesundheitssystem ist überwiegend steuerfinanziert und wird durch freiwillige private Zusatzversicherungen ergänzt (ca. 40–50 % der Bevölkerung). Die Versorgung in öffentlichen Krankenhäusern ist kostenfrei, jedoch bei elektiven Eingriffen häufig mit langen Wartezeiten verbunden – für eine laparoskopische Hysterektomie bei benignen Indikationen teilweise bis zu zwei Jahre. Dieser Unterschied zur deutschen Versorgungsrealität war besonders eindrücklich.
Auch die Facharztausbildung ist deutlich zentralisierter und strukturierter als in Deutschland. Die Vergabe der Ausbildungsplätze erfolgt über die Bundesstaaten und Fachgesellschaften und ist insbesondere im Bereich Gynäkologie und Geburtshilfe hochkompetitiv. Der Ausbildungsweg umfasst Internship, mehrjährige Residency, vier Jahre Core Training sowie zwei Jahre Advanced Training; optional schließt sich ein mehrjähriges Fellowship an.

und Dr. Haider Najjar bei Create Health.
Ausbildungskultur in der gynäkologischen Endoskopie
Besonders spannend war das Trainingsprogramm der Australasian Gynecological Endoscopy & Surgery (AGES), die als Fachgesellschaft mit unserer AGE vergleichbar ist. In einem zweijährigen, standardisierten Fellowship-Programm erfolgt an zertifizierten Zentren eine strukturierte Ausbildung in komplexer benigner laparoskopischer Chirurgie.
Am Mercy Hospital begleitete ich insbesondere den aktuellen AGES Fellow Dr. Tristan McCaughey und erhielt Einblicke in ein breites operatives Spektrum – von Ovarialzystenexstirpationen über laparoskopische Hysterektomien bis hin zu komplexen, interdisziplinären Endometrioseresektionen. Als bevorzugte Zugangstechnik kommt überwiegend der Direct Visual Trocar Entry zum Einsatz. Hysteroskopische Eingriffe – darunter auch Polypentfernungen – werden häufig als Office-Hysteroskopie in Analgosedierung oder Lokalanästhesie durchgeführt.
In meiner zweiten Woche bei Dr. Haider Najjar, einem Pionier der Single-Incision-Laparoskopie, konnte ich zahlreiche Single-Port-Eingriffe bei unterschiedlichen Indikationen (Hysterektomien, Myomektomien, große Ovarialzysten) verfolgen. Hierbei kamen eine 45°-Optik sowie das umbilikal eingebrachte Alexis-System von Applied Medical zum Einsatz. Besonders bei größeren Pathologien erwies sich die umbilikale Präparatebergung als technisch überzeugend.
Neben den operativen Techniken fiel mir vor allem die ausgesprochen kollegiale und ausbildungsorientierte Atmosphäre im OP auf. Die strukturierte Anleitung und aktive Einbindung junger Kolleg*innen hatte einen hohen Stellenwert.
Persönliches Fazit
Das Observership war für mich fachlich wie persönlich ein echtes Highlight während meiner Facharztausbildung. Der kollegiale Austausch und die andere Ausbildungsperspektive haben meinen Horizont erweitert und mir wertvolle Impulse für meinen weiteren Weg gegeben. Nebenbei ist Melbourne eine großartige Stadt – und die zeitgleich stattfindenden Australian Open lieferten ein perfektes Rahmenprogramm.
Mein herzlicher Dank gilt der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Endoskopie (AGE), die mir mit dem Liselotte-Mettler-Reisestipendium diese wertvolle Erfahrung ermöglicht hat. Programme wie dieses leisten einen wichtigen Beitrag zur gezielten Förderung junger Kolleg*innen und führen die Tradition von Wegbereiterinnen wie Liselotte Mettler fort, deren Engagement die gynäkologische Endoskopie nachhaltig geprägt hat.
[20.03.2026]